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Die D
urchquerung der Dolomiten vom Karerpass nach Sexten vom 04. – 11. September 1999 war „uno
belissima Dolomiti excursione“
Bereits
während der Dolomiten-Wanderwoche im September 1998 stand für Hebby (Herbert Higle) und die anderen Teilnehmer fest: Diese Tour muss wiederholt werden, dann aber Anfang September, wo auf
Bus und Bahnen noch relativ Verlass sein würde. So meldeten sich bereits Ende des Jahres 1998 ca. 20 Teilnehmer für 1999 an. Als der Termin in diesem Jahr näher rückte, wurde eine
Anmeldung nach der anderen zurückgezogen. Offensichtlich kamen viele nicht zu dem von Hebby empfohlenen vorbereitenden Training in Form von Waldläufen, anstrengenden
Mittelgebirgswanderungen und vielem anderen. Somit blieben einige Plätze frei und Gertrud, Rudolf und ich konnten ein zweites Mal teilnehmen. Zum ersten Male dabei waren Angelika, Peter,
Friedbert und Carlo. Da Carlo erst im Franzensfeste zu uns stoßen wollte, starteten wir sechs mit Hebby am Samstag morgen um 5.00 Uhr am PSV. Bei einem Rucksackgewicht zwischen 13 und 20
kg stand fest, dass alles Erforderliche dabei sein müsste. Die Fahrt über den Arlberg und den Brenner bis nach Franzensfeste verlief ohne Zwischenfälle. Carlo wartete bereits am Bahnhof
auf uns. Fürs Auto abstellen und Umziehen blieb nur wenig Zeit, denn der Zug nach Bozen wurde bereits angekündigt. Die Zugfahrt war kurzweilig. Die Weiterfahrt mit dem Bus ließ nicht lange auf
sich warten. Unsere Fahrt durch das eindrucksvolle Eggenertal wurde durch einsetzenden Regen getrübt. Somit war unser Ausstieg am
Karerpass (1745 m) aus dem trockenen Bus sehr zögerlich. Aber nach dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unzweckmäßige Kleidung“ hüllten wir uns in Regenhosen und
Umhänge und vermieden jeden Blick auf den Paolinalift. Wir wollten lieber den steilen, rutschigen und damit anstrengenden Aufstieg zur
Paolinahütte (2127 m) machen, da wir an diesem Tag Zeit genug hatten. Dort angekommen war unsere Rast nur kurz und es ging weiter
zu unserem Tagesziel der Rosengartenhütte auf 2377 m (auch Kölnerhütte genannt). Hier waren wir nicht die Einzigen, die tropfnaß
auf der Hütte ankamen. Entsprechend belegt war der Trockenraum, dafür aber um so gemütlicher der Gastraum. Die Wetterprognosen
blieben schlecht. Rudolf erklärte sich sogar bereit, Polenta zu essen,
falls der Wettergott dieses Opfer annehmen würde und besseres Wetter bescheren würde. Nach den Erfahrungen des letzten
Jahres wollte Hebby dieses Mal den Berichtschreiber gleich am ersten Tag festnageln. Fortuna war mir hold. Das Los fiel auf mich.
Am Morgen des zweiten Tages war es nur leicht bewölkt, aber trocken. Welch ein Glück, da wir ja den Aufstieg über die
Felsstufen auf das 2630 m hohe Tschager Joch vor uns hatten. Von dort ging es gleich weiter zur Vajoletthütte, wo wir eine
wohlverdiente Pause einlegten. Beim Anblick nahender Wolken verzichteten wir dieses Mal auf den Aufstieg zur 2621 m hoch
liegenden Gartlhütte und dem schönsten Blick auf die Vajolett-Türme und marschierten weiter zum Graßleitenpass (2600 m).
Nach einem kleinen Abstieg steil hinauf zum südlichen Molignonpass und weiter über den nördlichen Molignonpass zur
Tierser Alplhütte (2440 m). Unsere Freude war riesig, da wir nicht nur komfortable Gasträume, sondern auch geheizte
Duschräume und eine warme Dusche vorfanden. Den „Badespaß“ dehnten wir bis zum Nachtessen aus. Danach wollten
Gertrud, Rudolf und ich die Rosszähne aus der Nähe betrachten und machten einen Spaziergang dorthin. Nach UNO und
mäßigem Rotweingenuss ging es früh aufs Lager, denn wir hatten am nächsten Tag wieder eine 8 Stunden-Tour vor uns.
Der dritte Tag brachte uns bereits um 8.00 Uhr den heißersehnten Sonnenschein, so dass wir auf dem erholsamen
Friedrich-August-Weg die herrliche Aussicht und die eindrucksvollen Stimmungsbilder genießen konnten. Platt- und
Langkofel lagen majestätisch und beeindruckend vor uns. Wie gut, dass Hebby nicht nur die großen, sondern auch viele der
kleinen Felsgipfel kannte, somit wußten wir immer, was wir nah und fern bestaunten. An der Plattkofelhütte vorbei ging es in
Richtung Sellapass, wo die 2 km Asphaltstrecke nicht enden wollte, Dafür gab es eine Belohnung, denn wir tauchten in einen
kleinen märchenhaften Kiefernwald ein. Mittlerweile war das Wetter so schön geworden, dass kurze Hosen und an einer
Quelle ein ordentlicher Wasservorrat angelegt wurde, um bei dieser Hitze die 950 m Aufstieg zur Boehütte zu bewältigen. Der
anfängliche Weg über Almen und zwischen Lärchen setzte sich bald in Geröll- und Schotterwegen fort. Jeder „durfte sein
Tempo“ machen. Hebby, Friedbert und Carlo hatten in Rekordtempo das Sella-Plateau erreicht. Glücklich und zufrieden
waren wir nach 9 Stunden Gehzeit auf der Boehütte (2873 m). Friedbert hatte es leider auf dem letzten windigen Stück
versäumt, etwas überzuziehen, so dass ihn für den Rest der Tour ein Schnupfen plagte. Auf der Boehütte war dieses Mal
noch sehr viel Betrieb, so dass die freundliche Zuwendung des Vorjahres dieses Mal eingeschränkt war. Der kalte Wind um
die Hütte ließ diese noch gemütlicher erscheinen und wir fühlten uns bei UNO und Rotwein wieder rundherum wohl. Die für
alle ruhige Nacht endete bereits um 6.00 Uhr. Die 9 Stunden Gehzeit mussten rechtzeitig geschafft werden, da die letzte
Seilbahn auf das Rif. Lagazoui dieses Mal unbedingt erreicht werden sollte. Nach kargem Frühstück machten wir uns auf den
Weg zum höchsten Punkt unserer Wochentour, dem Piz Boe (3152 m). Dieses Mal brauchte Hebby seinen Pickel nicht einzusetzen. Trotzdem
war es für uns beruhigend, dass er diesen mit sich rumtrug. Die Erfahrung des letzten Jahres hatte uns gelehrt, nicht zu lange auf dem
Boe-Gipfel zu verweilen und beim Abstieg den richtigen Weg zu nehmen. Es ging recht flüssig und ohne Schweiß die 1300 m über den
Bec de Rosset auf den Campolongosattel (1875 m) bergab. Dann folgte ein langer Weg auf dem wir uns wie auf Schwarzwaldwegen fühlten. Jäh
wurden wir aus unserer Träumerei gerissen, als Hebby uns mitteilte, dass wir noch 1000 m Aufstieg vor uns hätten. Am Pralongia-Berggasthaus war es mit dem schönen Wetter wieder einmal
vorbei. Der Regen brachte Kälte mit sich. Die „Wiederholungstäter“ drängten zum Abmarsch. Auf keinen Fall wollten wir dieses Mal den Bus oder die letzte Seilbahn versäumen. Bis dahin
wurde es aber doch wieder etwas abenteuerlich. Die Busverbindung erschien uns nicht sehr zuverlässig, so dass wir uns
dieses Mal wiederholt im Laufschritt auf den Passo de Valparola machten. Auch dieses Mal sah es so aus, als ob die letzte
Seilbahn ohne uns nach oben schweben sollte. Dank Gertruds Cleverness und die Hilfsbereitschaft eines freundlichen
Ehepaares (Peter hatte sich Zeit gelassen und war noch unterwegs) waren wir schließlich alle in der letzten Gondel und
winkten glücklich den Helfern zu. Unser Glück auf der Höhe – dem Rif. Lagazoui (2752 m) zu sein war grenzenlos, denn
dieses zählt zu den eindrucksvollsten und aussichtsreichsten in den Dolomiten. Wir waren begeistert und fasziniert von dem
Sonnenuntergang, der das gesamte Dolomitenpanorama fast gespenstisch wirken ließ. Hier hat uns die faszinierende Natur
die göttliche Erhabenheit näher gebracht und uns Distanz zum Alltag und der Zivilisation erfahren lassen. Dieses Erlebnis hat
sich tief eingegraben und wird lange einen mentalen Rückzug aus dem Alltag ermöglichen. Hier möchte ich auch meinen besonderen Dank für Hebbys gute Vorbereitung und
umsichtige Tourenführung und für die gute Harmonie der Gruppe aussprechen, die diese Tour zum einmaligen Erlebnis hat werden lassen.
Dieser eindrucksvolle Abend fand seine Fortsetzung am
nächsten Morgen beim Abstieg vom Rif. Lagazoui in Richtung Cortina d’Ampezzo. Beglückt und unbeschwert erfreuten wir uns an Gemsen und vielen Murmeltieren, die Hebby mit seiner
Kamera einfing. Doch dann kam Spannung auf, als Hebby den Einstieg in den Klettersteig ankündigte. Jeder rafft sich und den Rucksack zusammen und verstaute die Stöcke. Da Hebby
diesen Steig bereits vor einigen Wochen erkundet hatte, brauchten wir nicht mit Überraschungen zu rechnen. Der Klettersteig
war gut gesichert und damit wenig schwierig und hat uns allen viel Spaß gemacht. Richtig schwierig wurde es eigentlich erst,
als wir eine steile Skiabfahrt über Schottersteine abrutschen mussten. Hier gab es auch das erste gesundheitliche Missgeschick. Carlos Knie nahm ihm den Abstieg übel und wollte fortan seinen Dienst nicht mehr richtig übernehmen. Wie
gut, dass wir uns 600 m Abstieg nach Cortina durch eine Fahrt mit der Seilbahn sparen konnten. Nach kurzem Aufenthalt in Cortina
gelangten wir nach kurzer Bus- und Seilbahnfahrt auf dem Rif. San Forca (2235 m). Hier wurden die lädierten Knie gekühlt, gesalbt und
gewickelt, so dass noch am selben Abend die schlimmsten Beschwerden abgeklungen waren. Einige von uns umwanderten die Hütte und begutachteten die kleinen Eierschalenkabinen, die auf den
Monte Cristallo führen. Leider war eine Fahrt auf den Gipfel zu dieser Tageszeit nicht mehr möglich.
Am nächsten Tag verweigerte Carlos Knie noch immer seinen
vollständigen Dienst, so dass er sich entschied, im Hinblick auf den bald wieder beginnenden Schulunterricht die Tour lieber abzubrechen.
Schade, wir haben Carlo anschließend sehr vermisst, da die fünf gemeinsamen Tage viel Spaß und Anregungen gebracht hatten.
Am Donnerstag Morgen, dem 6. Tag unserer Wanderung wurden wir beim Blick aus dem Fenster durch mehrere
Gemsenrudel überrascht. Wir konnten sie ganz nah und lange beobachten. Bei wunderbarem Wetter hatten wir 320 m
Abstieg zum Passo Tre Croci (1805 m) und 400 m Aufstieg zur Sella di Rudavoi vor uns. Der weitere Weg zum Misurinasee
führte uns durch einen zauberhaften Märchenwald. Am Misurinasee wurden wir wieder von der Zivilisation eingeholt und es
gab ganz andere Ausblicke (besonders auf manche holde Weiblichkeit) und es kamen besonders bei Hebby die ersten
Sehnsüchte nach Daheim auf. Um diesen verführerischen Reizen zu entgehen steuerten wir recht bald auf den Sessellift auf
das Rif. Col de Varda zu. Doch hier wurde die Verführung noch größer als ein blondes, sehr attraktiv und sportliches
weibliches Wesen in kurzen Hosen und mit schwerem Rucksack sich vor uns auf den Bonnacossaweg machte. Wir aber
gönnten uns noch etwas Pause und den Blick auf zwei der Drei Zinnen. Nach einem anstrengenden Aufstieg über den
Bonnacossaweg wurden wir nochmals von einem Naturschauspiel überrascht. Wir rasteten auf einem Plateau umgeben von
hoch aufragenden Felsen, wo wir in großer Höhe Kletterer ausmachten. Die erfahrenen Könner unter uns gingen innerlich
jeden Schritt mit. Hier wurde der Beschluss gefasst, dass man im nächsten Jahr nicht unbedingt im 6./7. Grad klettern
müsste, aber wenigstens eine Klettersteigtour unternehmen sollte. Ausgangspunkt sollte die noch zu erreichende
Büllelejochhütte werden. Nirgendwo auf der Tour ist uns ein Aufbruch nach der Pause so schwer gefallen wie an dieser
Stelle, wo Ruhe, Sonne und die Verbundenheit mit der Natur so spürbar waren. Trotzdem mussten wir den felsigen Abstieg in Angriff nehmen um die Fonda Savio Hütte rechtzeitig zu erreichen.
Auf dieser Hütte gab es besonders für Hebby größere Angstfaktoren, als auf jedem Klettersteig. Denn hier führte der Weg
zum Lager auf einem niedrigen Dachboden über eine steile senkrechte Leiter. Hebby konnte sich dann doch ein Zimmer in
den Niederungen der Hütte organisieren. Friedbert und ich fühlten uns unter dem Dach recht wohl, hatten allerdings durch die
niedrigen Balken Beulen und blaue Flecken davongetragen. Anderen ging es ähnlich, denn jedes Umdrehen war von einem dumpfen Geräusch begleitet.
Vom Rif. Fonda Savio ging es am 7. Tag unserer Wanderung weiter auf dem nördlichen Teilstück des Bonnacossaweges.
Dieser übertrifft den südlichen Teil noch an landschaftlicher Schönheit. Wir hatten nahe Ausblicke in senkrechte Felsen mit
alten Kriegswegen und Fernblicke auf die Sextener Dolomiten. Über schmale Felsbänder, begrünte Hänge und Geröllfelder ging es weiter zur Auronzohütte (2320 m). Von dieser meistbesuchten Hütte der Ostalpen hatten wir Sicht auf die Cadini- und
Cristallogruppe und die große Zinne. Unser Weg sollte aber weiter an den Drei Zinnen zur Lavaredohütte gehen. Rund um die Drei Zinnen war
bei dem schönen Wetter entsprechend viel Betrieb; ebenso an der Drei-Zinnenhütte. Hier hatten sich wohl schon in Vorbereitung auf den
am übernächsten Tag stattfindenden Berglauf viele Leute eingefunden. Während wir hier ausgiebig rasteten, war Hebby auf alten Kriegspfaden
unterwegs. Leider fehlte ihm die Taschenlampe, um die dunklen Felsengänge vollständig zu erkunden. Ein Abstieg, gefolgt wie immer
von einem Aufstieg brachte uns dann zur winzig kleinen, aber schnuckeligen Büllelejochhütte auf 2528 m. Diese kleine Hütte mit nur
11 Schlafplätzen hatte zwar auch einen Leiteraufstieg zum Lager, dieser war aber großzügig hell und ganz neu eingerichtet. Hier muss
man sagen, dass tatsächlich in Bezug auf das Essen und das Lager das Beste tatsächlich zuletzt kam. Hier haben wir uns so wohlgefühlt,
wie nirgendwo sonst. Noch vor dem Abendessen ging es zum Hausberg, der Oberbachernspitze, wo uns die Dolomiten wie
Kulissen in mehreren Schichten in der Nachmittagssonne erschienen. Einen Felsabbruch konnte man nur auf dem Bauch
liegend betrachten. Bei dem guten Abendessen und dem sagenhaft schönen Wetter kam Wehmut auf, da es der letzte Tag
unserer Tour war. Hebby begegnete dieser Sentimentalität gleich mit Realität und bucht für das kommende Jahr fest für die
Klettersteigtour. Am nächsten Morgen nun ging es durch das Fischleintal zur Talschlusshütte, wohin wir das Taxi bestellt
hatten. Früher angekommen gingen wir dem Taxi bis zum Dolomitenhof entgegen, wo wir es beim Warten vorbeifahren ließen
und Hebby hinterherspurtete. Ein Radfahrer schaffte es das Taxi umkehren zu lassen.
Dieses kleine Missgeschick konnte uns nicht beeindrucken. Hatten wir
doch während der ganzen Tour gelernt, kognitiv umzustrukturieren. Sonst hätte Friedbert wahrscheinlich bereits am Karerpass
aufgegeben, als er beim Regenhosenanziehen wie ein Maikäfer auf den Bauch fiel.
Beim kurzen Halt in Moos wurden noch Weintrauben, Kekse und
Wildschweinwurst für die Daheimgebliebenen gekauft. Die Busfahrt nach Innichen brachte einen guten Abschluss. Dort wurde in der
Pfarrkirche zum Hl. Michael ein Dankgebet zum Himmel für die wunderschöne Tour geschickt. Eingeschlossen hatten wir gleich die Rückfahrt, welche dann auch entsprechend gut verlief. Die
Abschlussrunde war wie immer im PSV. Von hier aus wurden die Angehörigen angerufen, die schon zum Abholen bereit waren. Alle
Teilnehmer waren glücklich, dass ihre schwärmerischen Ausführungen auf interessierte Zuhörer trafen. Diese jedoch zeigten
mehr Zufriedenheit über unsere glückliche Heimkehr als über unsere Erlebnisse. Diese waren so beeindruckend und
phantastisch, dass sie kaum übermittelbar sind. Ich wünsche allen Mitgliedern der Wanderabteilung möglichst viele solcher wunderschönen Bergtouren.
Hildegard Deckers
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