Alpine Tour zum Piz Valdraus (3096 m), dem nördlichsten Tessiner Gipfel und über die Greina-Hochebene; 16.07.10 – 18.07.10

1.Tag

Die Bergtour führte diesmal in ein Gebiet der nördlichen Tessiner Alpen, das bisher nicht im Tourenkalender der Alpingruppe stand, aber sicherlich nicht weniger reizvoll. Deshalb freute ich mich auf dieses verlängerte Wochenende mit  Peter und Angelika, Herbert  und Tochter Saskia, sowie Hildegard und Ortrud. Gestartet wurde pünktlich am Freitag um 6 Uhr morgens am PSV-Heim und die Wetterprognosen standen gut; lediglich für Samstag waren die Aussichten nicht optimal, was sich schließlich bewahrheiten sollte.

Um jeglicher Staugefahr auszuweichen fuhren wir über den Gotthard-Pass Richtung Biasca und verließen dort die Autobahn in das Tessiner Seitental Val Blenio. Zunächst auf der Route Lukmanierpass, ging es bei Olivone  zu unserem Ausgangspunkt bei Campo Blenio (1216m). Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir gegen 11 Uhr von Campo Blenio zum Aufstieg in das Camadra-Tal zu unserem Tagesziel, der Capanna Scaletta (2205m), eine der höchsten Tessiner Berghütten.

Zunächst wenig anstrengend bis zur ersten Rast an der letzten Siedlung Daigra (1408m), entwickelte sich der der Aufstieg in der Folge zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Praktisch schattenlos ging es teils auf Fahrweg, teils auf Bergpfad zur  nächsten größeren Rast bei der Alpe Camadra; von dort aus konnte schon die Capanna Scalatta eingesehen werden. Dennoch floss viel Schweiß auf den letzen 300 Höhenmetern des steilen Schlussanstieges zur Capanna Scaletta, die schließlich gegen 16 Uhr erreicht wurde.

Nach Bezug der Nachtlager in der neuen, sauberen Berghütte (56 Schlafplätze) und „Körperpflege“ freuten wir uns auf den Nachmittagskaffee auf der sonnigen Terrasse mit  Blick auf das gesamte Camadra-Tal bis zu unserem Ausgangspunkt/Parkplatz! in Campo Blenio. Von dem „knorrigen“ Hüttenwirt , der sich im gewöhnungsbedürftigen „Rocker-Skin-Head-Outfit“ präsentierte abgesehen, sorgte das freundliche Hüttenpersonal und ein gutes Abendessen für einen angenehmen Aufenthalt. Die Überraschung nach dem Essen schlechthin war, als sich Peter als „Geburtstagskind“ outete; nicht einmal „Hebbie“, als „Wächter“ über alle Daten, war es aufgefallen…

Natürlich wurde dies bis zur Nachtruhe bei einer Flasche Rotwein gebührend gefeiert.

2.Tag

Die erste Maßnahme gleich nach dem Wecken um 06:30 Uhr war der besorgte Blick zum Himmel, hatten doch die relativ hohen Temperaturen in der Nacht nichts Gutes verheißen lassen. Nach Osten hin noch klar, verdichtete sich am restlichen Himmel schnell die Bewölkung. Deshalb machten wir uns nach gutem Frühstück gg. 8 Uhr zügig auf den Weg in Richtung Passo del Greina (2379m), der Wasserscheide zwischen Rhein und Po, sowie Übergang zwischen dem Tessin und Graubünden. Zunächst auf etwa gleichem Höhenniveau, zweigten wir unmittelbar nach Erreichen der Passhöhe in nördlicher Richtung zur Camona del Medel-Route ab (2290m).

Nach Querung eines Gebirgsbaches schließlich steiler Anstieg über Blockgestein und Felsstufen bis zu einem noch verschneiten Bergsee (2600m). Es zeigte sich spätestens hier, dass der strenge Winter für diese Jahreszeit ungewöhnlich viel Altschnee hinterlassen hatte. Dieser Umstand begleitete uns beim weiteren Aufstieg über Blockgestein, Felsübergängen und mehreren Schneefeldern bis hin zum Ponto 2802m. Hier blieben Angelika, Ortrud und Hildegard zurück; „Hebby“ und Tochter Saskia, sowie Peter und ich entschlossen sich zum Aufstieg, der Blick zum Himmel verhieß jedoch nichts Gutes. Über mehrere Schneefelder und Felsstufen erreichten wir gg. 11 Uhr den Einstieg zum Gipfelgrat. Kurz unterhalb des Gipfels verschlechterte sich das Wetter derart, dass Tourenführer Peter den Abstieg beschloß; eine richtige Entscheidung, denn ein Abstieg in steilem und brüchigen Fels ohne Sicht ist eine waghalsige Angelegenheit.

Saskia hatte aber zumindest die „3000er Marke“ zum ersten Mal geknackt – Berg Heil und herzlichen Glückwunsch! Schon beim Abstieg setzte Graupel- und Hagelschauer ein und hielt bis zum gemeinsamen Abstieg nahe der Medel-Route an. Anorak raus – Anorak an, eine stetiges Wechselspiel – nicht sehr beliebt bei Bergsteigern…

Dann aber setzte sich  wieder die Sonne durch und es wurde beim Abstieg zum Passo della Greina richtig warm. Am Beginn der Hochebene gegen 13 Uhr nochmals kurze Rast, bevor wir  uns auf den Weg über die Plana del Greina machten, eine einzigartige Hochebene mit herrlicher Fauna und Flora. Insbesondere die Pracht der Alpenblumen ließen bei Hebby das Herz höher schlagen und der Fotoapparat war auf Hochbetrieb. Auf dem Weg durch die Hochebene passierten wir ganze Felder von gelbem und blauem Enzian und anderen Alpenblumen; auch einige Murmeltiere waren zu sehen. Was wäre verloren gegangen, hätte man den ehemals projektierten und unsinnigen Staudamm verwirklicht….

Leider zog der Himmel nach Passieren der Crap la Crusch (2268m) südwärts zur Capanna Motterascio wieder zu und das Donnergrollen wurde immer bedrohlicher. Auf gleichem Höhenniveau führte der Bergpfad wieder in Tessiner Gebiet und gg. 16 Uhr erreichten wir die Cap. Motterascio (2179m), eine schöne Berghütte mit 70 Schlafplätzen und moderner, freundlicher Einrichtung. Der moderne Anbau passte jedoch nicht so recht in die Landschaft.

Kaum hatten wir die Schlaflager bezogen und uns frisch gemacht, als draußen ein Unwetter losbrach. Richtig gemütlich saßen wir beim Kaffee in der Hüttenstube, während Blitze um die Hütte zuckten und es in Strömen regnete. Wir hatten Glück gehabt. Die sehr freundliche Hüttenwirtfamilie servierte später ein sehr gutes dreigängiges Abendessen mit Dessert!; nicht selbstverständlich in Berghütten. In geselliger Runde ließen wir den Abend ausklingen, bevor uns der anstrengende Tag recht früh in die Betten trieb.

3. Tag

Am nächsten Morgen hatten sich Wolken verzogen und schon um 6 Uhr früh zeigte sich im Südwesten hinter dem Lago di Luzzone tiefblauer Himmel. Nach dem Frühstück gegen 8 Uhr machten wir uns fertig für den 3 1/2-stündigen Abstieg mit fast 1000m in das Valle di Garzora. Recht frisch war die Temperatur beim Abmarsch, alle außer Hebby waren gut eingepackt; er zeigte einmal mehr seine übliche „Kurze-Hosen-Härte“!

Steil war der Abstieg in das Garzora-Tal, bis in einer tiefen Schlucht die ersten Ausläufer des Stausee Luzzone erreicht wurden. Auf einer Höhe von 1600m führte der Weg am linken Ufer entlang bis zu einem Tunnel, der schließlich zur Staumauer führte. Vor dem Tunnel nochmals Rast in herrlicher Morgensonne, bevor wir nach Passieren der über 200 Meter hohen Staumauer teils über die Kraftwerksstraße, teils auf dem alten Alpweg in das Tal zunächst nach Aquilesco und später unserem Ausgangspunkt und Parkplatz in Campo Blenio mittags erreichten.

Hier ließen es sich Hebby und ich nicht nehmen, im nahen Gebirgsbach trotz „Gänsehauttemperatur“ zu baden. Zurück fuhren die schöne Strecke über den Lukmanier-,bzw. Oberalppass- Gotthard  Richtung  Luzern und erreichten am späten Nachmittag wieder Freiburg.

Tourenführer Peter galt unser Dank für diese schöne Tour und das sichere Geleit durch Berg und Tal.

Georg Hauger

... auch hier gibt es ein paar Fotos .....

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11. August 2010

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