Nach wochenlangem Regenwetter und Kälte gab es für unser Wanderwochenende erstmalig Aussicht auf allmähliche Wetterbesserung. Vorsichtshalber waren wir noch mit dicken Winterjacken ausgerüstet, denn in der Nacht vor unserem Start gab es noch einmal kräftigen Frost. Auf der Autobahn in Richtung Süden lichtete sich der dichte Nebel mehr und mehr und die Aussicht auf Sonne beflügelte unsere Stimmung. Nur noch Reif und leichte Nebelschleier verzauberten die Landschaft, als wir den ersten Rastplatz anfuhren. Zum Auftakt des wunderschönen Tages überraschten uns dort Elvira, Herbert und Heike mit einem gelungenen Sektfrühstück, danach waren wir beim weiten Blick in die herrliche Landschaft beinahe zum „Abheben“ bereit.

Unsere Wanderkameradin Cécile Guillemin hatte uns in ihren Heimatort St. Amour an den Ausläufern des Französischen Jura zum Wandern eingeladen. Sie war uns schon vorausgeeilt, um uns im Hause ihres Vaters unsere Unterkunft liebevoll vorzubereiten. Cecile und Papa erwarteten uns schon. Nach der Begrüßung wurden wir als ersten mit dem geliebten Hund „Loulou“ und den Kühen bekannt gemacht, bevor wir unsere Zimmer bezogen.

Anschließend führte uns Cécile zum Schloss ihre Heimatstädtchens, über den lebendigen Markt mit allen Produkten der Region und schon bald saßen wir vor dem Café am zentralen Platz und genossen die Sonne und das französische Flair.

Gegen Mittag wanderten wir durch blühende Obstbaumwiesen, reizende verträumte kleine Nachbarorte mit wunderschönen Kapellen und Bruchsteingehöften zur Ruine l’Aubépin auf der Anhöhe. an diesem idyllischen Ort konnten wir zum Vesper all die Köstlichkeiten austauschen, die wir gerate auf dem Markt erstanden hatten. Wir genossen den ersten Frühlingstag wie im Traum.

Weiter gings durch ein Narzissenwäldchen, über Höhenrücken mit weiterem Ausblick in die Ebene und schließlich zur Ausflugshöhe Allonal mit Blick auf den Mont Blanc, der wie ein riesiger Klotz fast unwirklich vor uns lag. Durch blühende Frühlingswiesen, gesäumt von lichten Ahorn- und Kirschblütenbäumen kehrten wir nach St. Amour zurück. Zum Abschluss des Tages ließen wir uns im Nachbarort bei typischen regionalen Speisen verwöhnen.

Der nächste Tag begann mit ausgiebigen Frühstück bei Cécile und Papa. In so großer Runde schmeckten die Spezialitäten der Umgebung ganz besonders gut. Danach verabschiedeten wir uns in St. Amour und fuhren ein Stück weiter in den Faltenjura hinein.

Von Boutavent ging es nach größerem Anstieg hinauf auf den Kamm. Dort bot sich ein grandioser Tiefblick; fast senkrecht fielen hier die Felswände ab ins nächste Tal. Erst folgten wir dem typischen Juragrat mit Blick auf die Alpengipfel, dann querten wir die Senke zum Pic d’Oliferne und erreichten bald darauf die Ruinen am Belvédère du Lac Coiselet. Dort lud der fantastische Rundblick zu ausgiebiger Rast ein. Von fern konnte man den riesigen Stausee des Ain verfolgen. Leider war es nun schon wieder Zeit für den Rückweg. Nach einem Abschlussessen in einem rustikalen Restaurant besichtigten wir noch die gewaltige Staumauer von Vouglans und traten anschließend die Heimreise an.

Das Wochen- ende im Französischen Jura war für uns alle etwas Besonderes – wir fühlten uns wie auf einer „Sonneninsel“ im tristen Regenmeer des Frühjahrs 2001. Vielen Dank Cécile.

Ortrud Prasse

Wandertage im Französischen Jura, 31. März/1. April 2001

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