Hochtour zum Castor (4.228 m), 10. – 12. August 2001
Am Freitag, den 10. August 2001 um 5.00 Uhr begannen acht Bergsteiger das Unternehmen „Castor – 4.228m“ von der italienische Seite aus. Die Fahrt ging über die deutsche und schweizerische Autobahn zur Raststätte „Gruyére“ zum
obligatorischen Frühstück der PSV-Alpinisten. Nach der Weiterfahrt Richtung Vevey – Martigny wurde der Himmel grauer und die ersten Regentropfen fielen herab. Bei der Auffahrt zum Großen Sankt Bernhard-Paß wurden die Wolken
immer dichter und auf dem Pass war so gut wie nichts mehr zu sehen. Die Prognose eines Teilnehmers, „wenn wir über den Pass kommen nach
Bella Italia ist schönstes Wetter“, traf zu. Kaum waren diese Worte
ausgesprochen, waren die Wolken weg und Italien präsentierte sich im schönsten Sonnenschein. Es ging weiter durch das Aostatal. Ein Stück auf der Autobahn bis nach Pont Sant Martin, etwa 70 Kilometer vor Turin gelegen.
Von hier ging es in Valle di Gressoney, ein fast 30 km langes enges Nebental mit dem Fluss „Lys“. Im Tal waren noch die verheerenden Auswirkungen der Überschwemmungs-katastrophe des vergangenen Frühjahres sichtbar
(Verwüstungen der Landschaft, halbweggerissene Häuser). Unsere
Fahrzeuge parkten wir in Stafal
(1.820 m) am Talschluss auf einem Großparkplatz bei den Seilbahnstationen.
Rucksackpacken und Umziehen waren die nächsten Aufgaben, bevor wir die erste Hürde des Aufstieges auf die „bequemere“ Art hinter uns
brachten. Mit der Seilbahn gings nach Sant Anna und mit einem Sessellift zum Colle di Bettaforca auf 2.672 m. Gegen 12.30 Uhr setzten
wir uns dann richtig in Bewegung, um die nächsten 900 Höhenmeter hinter uns zu bringen. Zuerst stiegen wir langsam durch Stein und Geröll, bevor wir auf kleinere und größere Schneefelder gelangten. Das Wetter war
verhältnismäßig gut, nur die umliegenden Gipfel waren von Wolken umgeben
und ein etwas kühlerer Wind
begleitete
uns. Das letzte Drittel des Aufstiegs verläuft über einen schmalen
Felsgrat, der teilweise zu beiden Seiten gute hundert Meter senkrecht abfiel und durch Fixseile sowie einer Aluminiumbrücke gesichert war. Nach rund drei Stunden hatten wir nun unser Tagesziel,
das Refugio Quintino Sella auf 3.585 m erreicht. Es war eine fast 150 Plätze fassende Hütte aus Holz in einer modernen Bauweise. Unser Nachtquartier war ein Raum mit zehn ordentlichen Schlafplätzen.
Nach dem Nachtessen wurde die Strategie für den nächsten Tag vom Tourenführer Eberhard Stegerer vorgelegt. Da nach dem Gebietsführer von der Hütte bis zum Castorgipfel und zurück etwa 5 bis 6 Stunden veranschlagt waren, schlug er vor, den in der Nähe befindlichen „Pollux“, 4.029 m noch mitzubesteigen, was eine Gehzeit von rund zehn Stunden zu Folge gehabt hätte. Das Ergebnis war, dass eine 3er-Seilschaft (Castor und Pollux) und einer 5er-Seilschaft (Castor) gebildet wurde.
Angeseilt, mit Pickel
und Steigeisen ausgerüstet, verliessen wir gegen 5.20 Uhr das Rifugio. Ein mehr oder minder starker Wind war unser Begleiter, sowie ein klarer
Sternenhimmel, der auf einen schönen, sonnigen Tag hoffen ließ. Mit Stirnlampen bestückt, ging es gemächlich voran. Viele Seilschaften waren vor und hinter uns, was auf ein Gedränge am Gipfel hinweisen
sollte. So langsam wurde es heller, die Sonne ging auf, aber der Wind, je höher wir kamen, wurde stärker und stärker, was sich über uns an den Graten durch Schneefahnen abzeichnete.
Der Felikgletscher auf dem wir uns befanden, hatte so gut wie keine Spalten. Nach etwa einer Stunde hatten wir den recht flachen Gletscher überwunden und stiegen westlich des Felikjochs auf einen 45 Grad steilen Firnhang auf, der uns innerhalb kurzer Zeit über die 4000er-Marke brachte. Einige Seilschaften hatten wegen des immer noch zunehmenden Windes (die aufgewirbelten Schneekristalle schmerzten an allen freien Hautpartien) den Rückzug angetreten Auch unsere 5er-Seilschaft kehrte zur Hütte zurück. Bei einer kurzen Verschnaufpause bedeckten wir so gut es ging unsere noch freien Hautpartien.
Auf schmalen Schneegraten und steilen Wächten ging es dem Gipfel entgegen, den wir dann um 7.50 Uhr
erreichten. Den herrlichen Rundblick konnten wir wegen des starken Windes und der Kälte nur kurz genießen. Markante Berge wie Mont Blanc, Grand Combin und Matterhorn stachen dabei ins Auge. Auch
auf ein Gipfelfoto konnte nicht verzichtet werden. Ein Bergfreund einer auf dem Gipfel befindlichen
französischen Seilschaft erledigte dies für uns.
Aufgrund des starken Windes verzichteten wir auf das Weitergehen zum Pollux (4.092 m) und traten den beschwerlichen Rückweg zum Rifugio an. Unterwegs begegneten uns immer noch Seilschaften, die versuchten, den Gipfel zu erreichen. Kurz nach 9.00 Uhr waren wir an der Hütte angelangt, wo wir von unseren Kameraden erwartet wurden. Nach kurzer Lage-besprechung entschlossen wir uns, ins Tal abzusteigen und die Heimfahrt anzutreten.
An den Fahrzeugen angekommen, machten wir uns wieder „landfein“, um in Gressoney-Sant Jean in einem Lokal bei Essen und Trinken die Tour ausklingen zu lassen. Gegen 15 Uhr traten wir die Heimfahrt an und erreichten Freiburg um 20.30 Uhr.
Einen ganz besonderen Dank möchte ich unserem Tourenführer Eberhard aussprechen, für die ausgezeichnete Vorbereitung und Durchführung, sowie für die gute Stimmung der Truppe.
Auf ght’s zu neuen Touren – Berg Heil
Peter Pfaff

Besuche seit August 2002:
1. September 2009
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