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Touren 2000
Dolomitenklettersteige

Besuche seit August 2002:

Klettersteigtouren in den Sextener Dolomiten

 

Donnerstag, 10.08.2000

Die Dolomiten sind in unserem Programm schon zum dritten Mal in Folge vertreten., bieten sie doch eine Vielzahl von eindrucksvollen Wandermöglichkeiten. In diesem Jahr sollten nun einige Klettersteige hinzukommen. Dieser Gedanke wurde im vergangenen Jahr am letzten Abend der Dolomitendurchquerung auf der Büllelejochhütte geboren, fand breite Zustimmung und wurde von Hebby durch Buchung der Übernachtung sogleich manifestiert. Letztendlich verblieben in diesem Jahr noch 6 Teilnehmer: Carlo, Friedbert, Hebby, Marco, Peter und die Berichtschreiberin als einziges Huhn im Korbe.

Um 6 Uhr starteten wir am PSV alle zusammen in Hebbys geräumigem Auto. Nach zügiger Fahrt über den Arlbergpaß und den Brenner erreichten wir das Pustertal, passierten Bruneck, Toblach, Sexten und Moos und waren um 14 Uhr am Dolomitenhof im Fischleintal. Nun hieß es letzte Vorbereitungen zu treffen; die Rucksäcke wurden nach unnötigem Ballast durchforscht, die Schuhe fest geschnürt und die Sonnencreme aufgetragen, denn die Sonne lachte vom wolkenlosen Himmel. Nachdem man uns anfangs abgewiesen hatte, fand Hebby doch noch einen Parkplatz – wahrscheinlich war dies seiner charmanten Überredungskunst zu verdanken. Durch lichten Wald wandern wir fast eben in den Talhintergrund mit der kleinen Talschlußhütte. Wir erfrischen uns noch bevor der endgültige Aufstieg durch das Bacherntal beginnt. Der Weg führt einen Krummholzhang hinauf bis nahe unter die Felsen des Einsers und steigt dann steil an mit Prachtblick auf die Gipfelzacken des Elferkofels, auf den Zwölferkogel und den davor stehenden Hochleist. Schließlich erreichen wir im Zickzack die Zsigmondy-Hütte. Von hier steigen wir über spärlich bewachsene felsige Böden und durch Mulden hinauf zum Oberbachernjoch und noch ein kurzes Stück weiter fast eben, einem alten Frontweg folgend, zur Büllelejoch-Hütte (2522 m). Um 17.30 Uhr erreichen wir die uns wohlbekannte kleine Hütte. Hier herrscht noch Hochbetrieb der Tagestouristen und wir nehmen zuerst einmal den ersten Klettersteig in Angriff in Form einer senkrechten Leiter, die zu dem Schlafraum führt. Wohleingerichtet und erfrischt können wir dann die Veränderungen in Augenschein nehmen, die seit dem vergangenen Jahr vonstatten gingen. Der Gastraum wurde erweitert und mit neuen Bänken und Tischen eingerichtet, die Theke modernisiert, ein abgeschlossener Waschraum mit Waschbecken und Bidet! ist im Bau befindlich. Etwas abseits der Hütte ist für die Tagesgäste eine Toilette errichtet worden und für das Personal musste ein Aufenthaltsraum und eine Dusche geschaffen werden. Die Anzahl der Betten ist nicht erhöht worden, so dass mit einem Massenandrang auch in Zukunft nicht zu rechnen ist. Zugegebenermaßen ist allerdings doch etwas von der urigen Gemütlichkeit verloren gegangen. Von gleicher Qualität dagegen war das gute Essen, das wir uns schmecken ließen. Nach einem langen Tag gingen wir bereits früh ins Bett.

Freitag, 11.08.2000

Um 7.00 Uhr ließen wir uns das reichliche Frühstück munden und marschierten um 8.00 Uhr vergnügt und zu neuen Taten bereit in den herrlichen Morgen hinein. An der Dreizinnen-Hütte herrschte noch weitgehend Ruhe und wir genossen den Blick auf eines der schönsten Gebiete der gesamten Dolomiten. Wie ruinenhafte Riesensäulen ragen die berühmten Drei Zinnen empor, in deren Nordwänden Kletterer hängen. Im Westen erhebt sich aus dem Zinnenplateau der Toblinger Knoten mit 2617 m Höhe, eine freistehende Aussichtskanzel. Unsere Rucksäcke deponierten wir unterhalb des Einstiegs am Fuß der Nordwand und können so unbeschwert den Klettersteig in Angriff nehmen. Gut befestigt und mit zusätzlichen Sicherungsdrahtseilen versehen führt eine Serie von senkrechten Leitern empor. Überall hängen noch verfallene Holzleitern in den Kaminen und wir sind bei diesem Anblick recht froh, erst im Jahre 2000 hier zu sein. Nach 40 Minuten haben wir den Gipfel erreicht und genießen glücklich die herrliche Aussicht. Für eine gemütliche Rast ist der Gipfel nicht geräumig genug und zudem befindet sich das Vesper in den zurückgelassenen Rucksäcken. So steigen wir bald wieder hinunter. Der Abstieg führt über den Feldkurat-Hosp-Klettersteig auf gut gestuften Felsen, teils luftig ausgesetzt und gut gesichert. Auf dem Sextener Stein machen wir unsere Mittagsrast und schauen nochmals auf den imposant emporragenden Toblinger Knoten. Die Besteigung der Schusterplatte wird diskutiert, findet allerdings keine mehrheitliche Zustimmung. Dafür wählt Hebby dann einen etwas weiteren Rückweg, da er der Meinung ist, wir hätten uns noch nicht genug angestrengt.

Von der Drei-Zinnen-Hütte nehmen wir den oberen schmalen Weg zum Paternsattel, auf welchem der Touristenstrom unablässig in beiden Richtungen fließt.

Die Lavaredo-Hütte lassen wir rechts liegen, wandern hinab ins Cengia-Tal, entlang am gleichnamigen Berg und See, um dann wieder zum Oberbachernjoch hinauf zu gelangen. Das letzte Stück führt steil und fast weglos durch Geröll. So sind wir recht froh, kurz darauf wieder an der Büllelejoch-Hütte zu sein und uns dem süßen Nichtstum hinzugeben. Das Abendessen artet in eine Schlemmerei aus, wobei Marco den Rekord im Knödel-Essen aufstellt: als Vorspeise wählt er den berühmt-berüchtigten Drei-Knödel-Teller der Hüttenwirtin und als Hauptgericht Gulasch mit zwei Speckknödeln. So geknödelt kann er nur noch die neue Sitzbank als Ruhelager ausprobieren. Die Ernennung zum Knödelkönig des Elztales kann er nur noch mit geringer Gegenwehr geschehen lassen.

Samstag, 12.08.2000

Heute steht der Scharten-Klettersteig am Paternkofel auf dem Programm. In knapp 1 Stunde haben wir wieder die Drei-Zinnen-Hütte erreicht und sind die wenigen Meter zum Frankfurter Würstel, einem schlanken Felszacken, hinaufgestiegen. Hier beginnt der 600 Meter lange Tunnel, den die Italiener im 1. Weltkrieg in den Berg brachen. Anfangs ist der Anstieg mäßig steil, dann gewinnen wir auf Stufen, die für Riesen gemacht erscheinen, schnell an Höhe. Wir klettern ein kurzes Stück bis zur Gamsscharte. Hier treffen verschiedene Aufstiegsrouten zusammen und dementsprechend groß ist der Andrang. Wir deponieren unsere Rucksäcke in der Scharte. In 25 Minuten absolvieren wir den Gipfelanstieg über eine kurze, steile Wandstufe, teils ausgesetzt, aber gut gesichert. In 2744 m Höhe genießen wir die weite Rundsicht über viele – dank Hebbys geduldiger Wiederholung – schon namentlich bekannte Gipfel. Ein besonderes Erlebnis ist der Blick zu den gegenüber im Westen aufragenden Nordwänden der Drei-Zinnen, die aus der unmittelbaren Nähe noch gewaltiger wirken. In der Ferne leuchten die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern – Großglockner und Großvenediger. Das Gipfelglück wird unterstrichen von einem Lied, das italienische Bergsteiger sehr stimmungsvoll darbieten. Wieder in der Gamsscharte angelangt, folgen wir dem weiteren Klettersteig über unschwierige, gut gesicherte breite Felsbänder und Scharten hinab. Auf einer sonnigen Hochebene stärken wir uns für den Heimweg, der uns in gemütlichem Auf und Ab zum Oberbachernjoch und zur Hütte bringt. Um 13.30 Uhr sind wir nach 5,5 Stunden zurück und haben somit Zeit zum Faulenzen. Am späten Nachmittag zieht ein leichtes Gewitter auf und wir fragen besorgt nach den Wetteraussichten für die nächsten Tage. Hebby nimmt dank Handy Verbindung zum Internet daheim auf und erhält nach geraumer Wartezeit eine gute Prognose. Der Abend steht dann unter dem Motto „Moderne Kommunikationsmittel“, für die sich besonders Carlo interessiert. So nehmen wir anstelle eines UNO-Spiels an einem Crash-Kurs für Handyrietis teil.

Sonntag, 13.08.2000

Um 7.45 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Umrundung des Zwölferkogels. Die Zwölferkogel-Gruppe ist einer der eindruckvollsten Bergstöcke in den Dolomiten. Sie wird von mächtigen Wandfluchten, zerklüfteten Türmen und wilden Schluchten geprägt. Den Fuß der Kalksteinstöcke bilden große, von Schotter erfüllte Kare. Vom Oberbachernjoch führt ein schmaler Schotterpfad in wechselndem Auf und Ab, an der Zwölferscharte vorbei, hinauf auf 2578 m zum Biwak De Toni. Und nun beginnt ein denkwürdiger Abstieg durch ein langes Schotterkar, in dem nur wenige Felsen festen Halt bieten. Trotz größter Vorsicht treten wir Steine los, die polternd zu Tal springen und die eigenen Bergkameraden ebenso wie entgegenkommende Wanderer gefährden. Sehr lang ist dieser ermüdende Abstieg bis der Weg weiter auf einem schmalen Band an den Felswänden entlangführt. Noch einmal blicken wir zurück, wo mehrere hundert Meter über dem Kar die signalrot gestrichene Biwakschachtel leuchtet. Über ein steiles Wiesenstück und einen Schotterpfad gelangen wir hinauf zur Forcella Maria und dann leicht abwärts zur Carducci-Hütte (2297 m). Hier gönnen wir uns 1 Stunde wohlverdiente Mittagspause. Dann geht es nochmals hinauf zur Forcella-Giralba (2431 m ) und wieder abwärts zur Zsigmondy-Hütte. Während Peter und ich den Aufstieg zur Büllelejoch-Hütte als Sonntagsnachmittagsspaziergang verstehen, stürmen unsere vier Kameraden hinauf und erreichen eine gute halbe Stunde früher als wir die Hütte. Doch mit einer Gesamtzeit vom 7,25 Stunden liegen wir immer noch in der angegebenen Zeit. Am späten Nachmittag bringt ein Gewitter kräftige Schauer, so dass die Tagesgäste schnell aufbrechen und wir die Hütte wieder fast allein für uns haben. Wir futtern uns nochmals durch die Speisekarte. Jeder wählt sein Lieblingsessen, sei es nun zum vierten Male Kaiserschmarrn oder die bunten Tiroler Knödel.

Montag, 14.08.2000

Ein letzten Mal genießen wir das Frühstück mit Blick auf Oberbachernspitze, Einser und besonders den Elferkogel, über dessen zerklüfteten Spitzen jeden Morgen die Sonne emporstieg. Abschied nehmen von den Wirtsleuten und dann geht es auf nun schon beinahe heimatlichen Wegen hinab zur Zsigmondy-Hütte. Wir folgen dem Weg zum Giralbajoch, verlassen ihn jedoch knapp unterhalb des Joches. Über schrofige Felsenbuckel absteigend zum Kar unter dem Felskessel in Inneren Loch. Hier beginnt die „Strade degli Alpini“, ein italienischer Kriegspfad. Er verläuft auf schmalen mit Drahtseilen gesicherten Bändern an senkrechten Wänden entlang. An manchen Stellen ist ein niedriger Gang aus dem Fels gehauen, der uns zusätzlich zu unseren schweren Rucksäcken in die Knie zwingt. Ich habe hier auch meinen Rucksack mit einbezogen, obwohl er immer als „Handtäschle“ bezeichnet wurde. Dann folgt der wilde Felskessel des Äußeren Loches. Am Ende der Schlucht befindet sich noch ein kleines Firnfeld, das wir in guter Spur queren und an der gegenüberliegenden Wand auf einem bequemen Band den Weg fortsetzen. Das letzte Stück steigen wir über Schotter und zwischen Felsblöcken zur Elferscharte empor, die wir um 10.45 Uhr erreichen. Hier endet für uns der Klettersteig, denn wir müssen noch gut 1100 m Abstieg ins Fischleintal bewältigen. Durch Schotterkare steigen wir hinab in die zunehmende Wärme und in die Vegetation. Um 13.30 Uhr erreichen wir mit einigermaßen müden Knochen die Talschluß-Hütte und kühlen hier die Hitze wenigstens von innen mit einem zischenden Radler. Um 15.00 Uhr können wir dann vom Dolomitenhof zur Heimfahrt starten. Hebby chauffierte uns über die lange Fahrt sicher nach Hause mit nur einem kurzen Imbiss in St. Margarethen.

Hierfür und natürlich auch für die Vorbereitung und Durchführung dieser wiederum schönen und erlebnisreichen Tage sage ich ein ganz herzliches Dankeschön.

Angelika Burkart

 

unsere Seiten wurden zuletzt aktualisiert am:

1. September 2009