|
Radtour nach Langeais - Azay-le-Rideau - Sache - Ballan-Miré (Gesamtstrecke ca. 62 km)
Langeais besitzt alles, was zu einer mittelalterlichen Festung gehört, von der massiven Zugbrücke (die übrigends noch
funktioniert - wir haben’s ausprobiert) mit Fallgitter bis zu Wehrgang und Maschikulis, durch die die Verteidiger kochendes Öl auf den Angreifer gossen, die es wagten, die Mauer zu erklimmen. Die düstere, aus unauffälligem grauen Stein erbaute Burg
beherrscht das Städtchen Langeais und bieten einen herrlichen Rundblick meilenweit über die Loire und die Umgebung.
Die Schloßgebäude stammen aus dem 15. Jh. Im Innenhof sieht man auf einem
flachen, etwas erhöhten Plateau die von Bäumen bewachsenen Überreste eines Wehrturmes. Er wurde 994 von F. Nerra errichtet und ist mit großer Wahrscheinlichkeit einer der ersten rechteckigen Steintürme, die je gebaut wurden.
Langeais gehörte bis 1206 den Plantagenets. Während des Hundertjährig en Krieges (1337 - 1453) erstürmten die Engländer
die Festung mehrmals und verließen sie erst gegen ein Lösegeld von 2000 Kronen und unter der Begingung, dass die ganze Anlage bis auf den einen Wehrturm geschleift würde.
Highlight der Festung Langeais war im Jahre 1491 die Hochhzeit der Bretagne-Erbin Anne de Bretagne mit Karl VIII. (Sohne Ludwig
XI.), die im Großen Saal von Langeais stattfand. Die Geschichte dieser Hochzeit kann hier nachgelesen werden.
Von Langeais wollten wir nicht sofort die Heimfahrt antreten, sondern noch eine etwas längere Radtour entlang des Indre unter-
nehmen. Zunächst führte uns der Weg durch Obstanlagen und Weinberge von der Loire hinüber ins Indre-Tal nach Azay-le-Rideau (Schloß hatten wir bereits ein paar Tage zuvor besichtigt).
Wir fuhren deshalb weiter vorbei an herrlichen Chateaus und Landsitzen bis nach Saché. Das Landschloß Saché ist für alle, die
Honoré de Balzac verehren, eine Wallfahrtsstätte. Hier im Herzen
seiner über alles geliebten Touraine, verbrachte der Dichter eine lange Zeit seines Lebens. Das unregelmäßige Gebäude vom Ende des 16. Jh., dessen Grundmauern ins Mittelalter zurückreichen, ist
künstlerisch anspruchslos. Romantischen Reiz gewinnt es erst durch seine Lage an einem sanft abfallenden Hang zwischen Wiesen, dem Dorf auf der einen und einem
herrlichen Wald mit Eichen, deren Stärke Balzac immer wieder bewundert hat, auf der anderen Seite. Das Schloß beherbergt heute ein Balzac-Museum.
Ein kurzes Stück weiter im Indre-Tal, danach die letzen paar Kilometer nordwärts zurück zum Campingplatz in Ballan-Miré.
Leider waren auch auf dieser Tour kaum Radwege vorhanden. Hier hat Frankreich noch einen erheblichen Nachholbedarf, auch wenn die meisten Autofahrer sehr rücksichtsvoll und vorsichtig an unseren
Kids vorbeigefahren sein. Ein ungutes Gefühl blieb trotzdem meistens.
|