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An den Ufern des Guadalquivir gelegen, ist Sevilla in bezug auf Kunst, Handel und Industrie die wichtigste Stadt Andalusienes. Trotz der Entfernung vom Meer ist es kleineren
Schiffen möglich, flußaufwärts zu fahren und im Hafen der Stadt anzulegen. Sevilla liegt inmitten einer druchtbaren Ebene und besitzt ein warmes Klima. Die Sommer sind gewöhnlich außerordentlich heiß; oft steigt die Temperatur über
40°. Die Winter sind milde und nur selten sinkt das Thermo- meter auf 0°.
Die Weltausstellung 1992 sollte Sevilla in eine High-Tech-Metropole verwandeln und
wirtschaftlich beleben. In unmittelbarer Nachbarschaft der Altstadt bildet die bunte, modern skurrile Ansammlung der Expo-Pavillons einen Kontrast zur engen und verschachtelten Altstadt, wie er größer kaum denkbar ist.
Wie eine ganz unwirkliche Fata Morgana erstreckt sich das Panorama der Expo jenseits des
Flusses. Die Superschau verkörperte im Zeichen der Entdeckungen von einst und jetzt eine hier besonders untopisch anmutende Zukunft des nahen 21. Jahrhunderts. Milliardeninvestitionen im Zug der Expo bescherten den 600.000 Einwohnern den neuen Bahnhof
Santa Justa, einen neuen Großflughafen, Ringstraßen, einen Hochgeschwindigkeitszug nach Madrid, eine gründliche Renovierung der Innenstadt, aber auch Bodenspekulation und steigende Mieten. Den Baustellen
begegneten die Sevillaner mit Gelassenheit, für die berühmt sind. Schon gegenüber den Eroberern früherer Tage hat sich das weltoffene Gemüt bewährt. Die Stadt profitiert von allen Kulturen, die sich ihr niederließen. Doch bislang haben sich die
Hoffnungen auf den Wirtschaftsboom nicht erfüllt: statt dessen erweist sich der Expo-Park als Klotz am Bein: ständig wird er verändert, um für Besucher attraktiver zu werden.
Im 19. Jahrhundert verlor Sevilla mit der Selbständigkeit der spanischen
Koloniwen in Amerika viel von seiner Bedeutung, Die Stadt verkam bis zum Aufbruch in jüngster Zeit mehr und mehr zu einem großen historischen Museum, das sich aber durch das
Temprament der Andalusier mit sehr viel leben füllte. Dieses Temprament hat stets die Künstler angezogen und herausgefordert. Sevilla wurde Schauplatz von Opern wie
“Carmen”, “Der Barbier von Sevilla” und “Don Giovanni”. Unter den spanischen Malern haben der hier geborene Velázquez sowie Bathomomé Esteban Murillo Weltruf erlangen und in Sevilla
wichtige Werke hinterlassen. Für ihre Feste und durchfeierten Nächste ist die Stadt berühmt. Beliebtester Tummelplatz unermüdlicher Nachtschwärmer ist die Calle de Betis gegenüber d er Altstadt am anderen Flußufer.
Entlang einer weit geschwungenen Kurve des Guadalquivir streckt sich das alte
Sevilla auf dem östlichen Ufer in die Länge. Breite Ausfallstraßen streben sternförmig auf den Stadtkern zu, enden jedoch an einem Ring, der die Innenstadt umgibt und den Verkehr um sie herumlenkt.
An der Stelle der Hauptmoschee wurde die Kathedrale von 1402 bis 1506 erbaut und der Jungfrau Maria geweiht. Ihre fünf Schiffe
werden von über 40 m hohen gotischen Säulen und Sterngewölben getragen. Mit einer Grundfläche von 128 x 82 m ist sie eine der größten Kirchen der Welt. Ihr Turm, die 97 m hohe Giralda, ist nach der Gestalt
des Glaubens und deren Windfahne (Giraldillo) auf der Spitze benannt. Im Innern tragen vier Ritterfiguren den Sarkophag des Christopher Kolumbus. Die Gebeine des Entdeckers kehrten 1898 nach Sevilla zurück, als sich die Spanier aus der Neuen Welt
zurückziehen mußten. Ob die Soldaten bei ihrer Flucht den richtigen Bleisarg erwischt haben, ist ungewiß. Womöglich ruht hier sein Sohn Diego, währen Kolumbus slebst in der Kathedrale von Santo Domingeo (Dominikanische Republik)
blieb. Einen besonderen Rang unter den kostbaren Kunstschätzen der Kathedrale nimmt das riesige Schnitzwerk des Altaraufsatzes ein, das 25 m hoch und 20 m breit ist. Etwa 20 Schnitzer arbeiteten
1482-1564 an den 45 Feldern, die das Leben Mariens und Christi darstellen.
Neben der Kathedrale ist der Alcázar das historisch und architektonisch
interessanteste Bauwerk der Stadt. Man möchte gleuaben, die maurischen Herrscher hätten diesen Palast hinterlassen, der in der Schönheit seiner Räume und ihrer Ausgestaltung durchaus mit der Alhambra von Granada vergleichbar ist. Doch waren es
die Könige von Kastilien, die im 14. Jahrhundert ansässige maurische Baumeister und Künstler beauftragten, diesen Palast im orientalischen Mudéjar-Stil zu erbauen. Die Feinheit der ornamentalen Gestaltung und
Farbgebung ist durch die Jahrhunderte erhalten geblieben. Ergänzungen aus späteren Epochen führen den Wandel der Zeiten eindrucksvoll vor Augen.
Mit breiten Straßen und ausgedehnten Parkanlagen hat die Stadt ihres alten Kerns ein ganz anderes
Gesicht als im engen Zentrum Der Parque de Maria Luisa ist ein populäres Revier für Spaziergänger und Treffpunkt für romantische Kahnfahrten zu zweit auf dem Kanal der imposanten Plaza de Espana, die mit em
Halbkreis ihrer Pastbauten auf der Ibero-Amerikanischen Ausstellung von 1929 repräsentierte. Bunte Kachelwände stellen historische Szenen der spanischen Provinzen und Städte dar.
Das “Barrio Santa Cruz” erstreckt sich östlich der Kathedrale im Berich
des einstigen Ghettos der Juden. Enge Gassen, kleine malerische Plätze und Höfe zwischen weißen Häusern haben viel von ihrem altandalusischen Reiz behalten, auch wenn jetzt Bars, Boutiquen und Souvenirläden
eingezogen sind. Manche Freunde Sevillas meinen, hier schlage trotz aller Neuerungen noch immer das alte Herz der Stadt, gerade weil die tragischen Schatten der Vergangenheit, der Judenvertreibung vor 500 Jahren,
sich nicht ganz verdrängen lassen.
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