.... und dann waren wir an unserem ersten Ziel: San Lorenzo de Escorial
Seit mehr als vier Jahrhunderten hält El Escorial den Rekord, Spaniens größtes Bauwerk zu sein. Auf einer Grundfläche von 207 x
161 m wird der gewaltige Quader von der 92 m hohen Kuppel der zentralen Basilika gekrönt. Zwei 72 m hohe Glockentürme flankieren die Eingangsfront der Kirche, vier weitere Türme markieren die Eckpunkte des in
strenger Einheit errichteten Renaissance- Bauwerks.
nach dem Willen des Bauherrn Philipp II., der als Sohn des Kaisers Karl V. in Spanien von 1556 - 1598 regierte, sollte der
Escorial in seiner Größe und Einzigartigkeit die neue Weltmacht Spanien repräsentieren, “in deren Reich die Sonne nicht untergeht”.
Daher vereinigt dieser Bau weltliche und geistliche Funktionen unter seinen Dächern: Um die Gasilika gruppieren sich zwei Paläste sowie ein Kloster mit Schule
und Bibliothek: die Krypta unter dem Altarraum der Basilika wurde als letzte Ruhestätte für die meisten spanischen Könige ausge- baut.
Der volle Namen der Anlage lautet “Real Monasterio de San Lorenzo de El Escorial”, weil in der
von PHilipp II. gegen die Franzosen gewonnenen Schlacht von Saint-Quentin (1557) eine Kirche des San Lorenzo zerstört worden war und der König dafür Ersatz gelobt hatte. Er wählte selbst den Bauplatz auf den Hügeln
zu Füßen des Sierra de Guadarrama, etwa 50 km nordwestlich von Madrid, das er kurz zuvor zu seiner Hauptstadt erhoben hatte.
Seine letzte Lebensjahre verbrachte Philipp meist in dem Palast, den er an den Altarraum der Basilika hatte
anbauen lassen. Von der Kapelle neben seinem Schlafgemache konnte er in die Kirche hineinblicken. Hier starb er 1598. Der Palast umschließt einen kleinen Hof und ragt aus der Ostfront des Escorial heraus.
Damit verkörpert er im Gesamt- komplex die herausragende Stellung des König und zugleich seine besondere Nähe zur Kirche.
Juan Bautista de Toledo hatten den Gesamtplan geschaffen, er starb jedoch 1567. Sein Schüler Juan de Herrara gilt als der
eigentliche Gestalter des Bauwerkes und Organisator des gewaltigen Arbeitsaufwandes, vom Granitsteinbruch bis zur künstlerischen Ausgestaltung.
In der Gliederung seiner Trakte und insgesamt 15 Innenhöfe gleicht der Grundriß einem Gitterrost, weil San Lorenzo den
Märtyrertod auf einem Feuerrost erlitten hatte. Die Bourbonen-Könige des 18. Jahrhunderts haben das nordöstlich Viertel der Anlage zu einem Palast ausbauen lassen.
In einsamer Berg- und Waldlandschaft der Sierra de Guadarrame führt in der Nähe von El Escorial eine Sackstraße in das Valle de los Caidos
(Tal der Gefallenen), wo unter der Franco-Herrschaft 1948 - 1958 politische Gefangene eine gigantische Gedenkstätte für die Gefallenen des Spanischen Bürgerkrieges (1936 - 1939) errichten mussten..
Das 150 m hohe Betonkreuz auf einem Felskegel über dem Tals ist weithin sichtbar. Als riesige künstliche Höhle ist das Kirchenschiff der Basilica de Santa Cruz 262 m tief, 20 m breit und 26 m
hoch in den Berg hineingetrieben worden. am Ende befinden sich unter der 42 m hohen Kuppel die Gräber des Diktators Francisco Franco (1892 - 1975) und des 1936 ermordeten
Gründers der faschistischen Falange, Jose Antonio Primo de Rivera. Ein gigantisches Grabmal des Totalitarismus - so kann man diese Stätte verstehen.